Hannoversche Kaffeemanufaktur eröffnet neue Location in der Wunstorfer Straße in Linden-Limmer. Ein Interview mit Andreas Berndt.

Seit dem wir vor anderthalb Jahre von Hannover nach Burgdorf gezogen sind, haben wir eine ganz besondere Beziehung zur Hannoverschen Kaffeemanufaktur aufgebaut: Die Rösterei in Heeßel, einem Vorort von Burgdorf, liegt nur einen Katzensprung von unserem zu Hause entfernt. Und da wir frisch gerösteten Spezialitätenkaffee lieben, ist es für uns ein absoluter Glücksfall gewesen, fortan die Rösterei der Hannoverschen Kaffeemanufaktur mit dem Fahrrad aufsuchen zu können, um uns mit feinsten Kaffees aus aller Welt einzudecken. Die logische Konsequenz war, dass wir uns mit Gründer und Geschäftsführer Andreas Berndt für ein paar Stunden in der im März 2018 neu eröffneten Location in der Wunstorfer Straße 33 in Hannover zum Interview getroffen haben. Wir sind schwer beeindruckt, was der wirklich sympathische Andreas mit seiner 2012 gegründeten Hannoverschen Kaffeemanufaktur geschaffen hat. Wir haben ihm ein paar interessante Frage gestellt. Das vollständige Interview mit ihm kannst du nachfolgend lesen.

Interview mit Andreas Berndt von der Hannoverschen Kaffeemanufaktur

barista-passione.de: Warum habt Ihr das Café in der Liepmannstraße geschlossen und in der Wunstorfer Straße neu eröffnet?

Andreas Berndt: Die Rösterei in der Liepmannstraße besaß nur eine kleine Probierstube. Es gab keinen klassischen Cafebetrieb. Als ich das Unternehmen gegründet habe, war es für mich die ideale Location. In Linden-Limmer geboren, war das für mich ein bisschen “back to the roots”. Nach sechs Jahren war die Immobilie dann aber auch renovierungsbedürftig. Da wir die Kosten also sowieso vor der Brust gehabt hatten und zudem die Location auch sehr abgelegen ist, wir aber unbedingt im Viertel Linden-Limmer bleiben wollten, hat es sich angeboten, an eine etwas prominentere Stelle in die Wunstorfer Straße zu gehen.

Jetzt mit der Straßenbahn vor der Tür, mit viel Autoverkehr und – wenn der Hochbahnsteig gebaut ist – an einer wichtigen Hauptstraße, die direkt nach Hannover reinführt. Nach Realisierung der Wasserstadt Limmer, wird es nochmal interessanter. Wir sind unserem Viertel treu geblieben und trotzdem jetzt wesentlich sichtbarer. Hinzu kommt, dass die Räumlichkeiten in der Wunstorfer Straße deutlich mehr Platz hergeben, so dass wir unser Konzept noch weiter ausbauen konnten.

barista-passione.de: Was ist das Besondere am Café in der Wunstorfer Straße? Welches Konzept verfolgt Ihr?

Andreas Berndt: Unser Konzept in der Wunstorfer Straße ist wie folgt: Ein Drittel Rösterei/Kaffee-Fachgeschäft, ein Drittel Café/Probierstube und ein Drittel Schulungsbereich für Barista-Schulungen. Diese Dreiteiligkeit läßt sich wunderbar in den Räumlichkeiten der Wunstorfer Straße 33 realisieren. Unser Hauptaugenmerk haben wir dabei auf Rösterei und Kaffeefachgeschäft gelegt. Das dokumentieren wir mit einer vielfältigen Auswahl von 40 festen Kaffees und jeweils abwechselnd einem Kaffee des Monats, aber auch mit einem Zubehörsortiment, was unseres Wissens nach in Deutschland einmalig ist. Wer etwas zum Thema Kaffee sucht, der wird es wahrscheinlich bei uns finden.

Der zweite Bereich ist der Probierbereich, also ein kleines Café, dass wir mit sehr guten technischen Möglichkeiten ausgestattet haben. Damit ist es möglich, aus unseren Top-Kaffees das Ergebnis herauszuholen, was ein absolutes Spitzenprodukt hergeben kann, um für unsere Kunden ein besonderes Erlebnis zu schaffen. Das scheint auch gut angenommen zu werden, denn dieser Bereich baut sich immer weiter auf.

Der dritte Teil ist ein kleiner Bereich, in dem wir unsere professionellen Barista-Schulungen durchführen und sogenannte Genussreisen, wo wir Kaffeeinteressierte für ca. 2,5 Stunden einfach mal in die Genuß-Welt des Kaffees eintauchen lassen mit unterschiedlichen Dingen, die sie probieren dürfen.

barista-passione.de: Der Espresso in der Wunstorfer Straße wird mit einer Slayer-Espressomaschine, die derzeit womöglich spannendste Espressomaschine der Welt, zubereitet: Warum habt Ihr Euch für eine Slayer entschieden?

Andreas Berndt: Die Slayer ermöglicht uns mit den Möglichkeiten, die sie technisch bietet, einfach alles aus unseren Kaffees rauszuholen, was rauszuholen ist. Das macht bei einem durchschnittlichen Kaffee wenig Sinn. Aber wenn wir für absolute Spitzenkaffees stehen, dann ist es natürlich auch in unserem Interesse, das letzte aus unseren Kaffees rauszuholen und die Leute dafür zu begeistern. Die Slayer ist technisch das Beste, was es auf der Welt gibt. Und so haben wir entschieden, eine zweigruppige und eine eingruppige Slayer für Wunstorfer Straße anzuschaffen. Entsprechend haben wir auch die Kaffeemühlen passend zur Slayer ausgewählt. Wir haben eine Mahlkönig Peak und eine Mahlkönig EK 43 im Einsatz, um die Ergebnisse rauszuholen, die wir gerne haben wollen.


barista-passione.de: Seid Ihr mit der Slayer zufrieden? Ist es das, was Ihr erwartet hattet?

Andreas Berndt: Wir haben in den vergangenen Jahren immer schon mal mit einer Slayer probiert und auch spekuliert, eine anzuschaffen. Denn es ist schon eine Investition. Die beiden Slayers, die hier stehen, kosten 30.000 – 35.000 Euro. Das ist für eine kleine Rösterei schon ein Schluck aus der Pulle. Aber im Ergebnis sehr überzeugend ! Die Slayer hat genau das erfüllt, was ich mir erwartet habe. Und das Schöne ist auch, dass es unseren kaffeebegeisterten Mitarbeitern Spaß macht. Die Leute arbeiten natürlich auch, um Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite haben sie hier für sich ein Paradies. Wir haben ganz viele kaffeeverrückte Enthusiasten, die natürlich auch genießen, solche Kaffees mal auszuprobieren und mit diesen Maschinen zu arbeiten. Die Motivation ist dadurch nochmals höher. Und das gefällt mir natürlich.

barista-passione.de: Wie vermittelt Ihr Euren Gästen, sich auf Spezialitätenkaffee einzulassen?

Andreas Berndt: Wir sehen es gar nicht als zwingend notwendig, die Leute zu belehren. Wenn Leute zu uns kommen, dann sind sie schon mal grundsätzlich Kaffee interessiert. Wir haben erstaunlicherweise viele Gäste, die sich schon gut mit Kaffee auskennen. Und egal wie der Wissensstand ist, versuchen wir die Menschen über eine sehr ausführliche Beratung für hochwertigen Kaffee und für die vielen Nuancen, die ein Kaffee mit sich bringen kann, zu begeistern.

Auf der einen Seite führen wir die Leute so an hervorragende Kaffees heran. Auf der anderen Seite erzielen wir durch eine intensive Beratung auch ein gutes Gefühl und vermitteln viel Know How. Ich sage meinen Leuten immer: “Wenn jemand einen richtig miesen Tag hatte, schlecht gelaunt ist und bei uns in den Laden kommt, dann muss er, wenn er rausgeht, ein leichtes Lächeln im Gesicht haben.” Und das geht nur über den persönlichen Draht und mit unserem Ansatz, die Leute für Kaffee zu begeistern, zu informieren und sie in die Welt des Kaffees mitzunehmen.

barista-passione.de: Der Filterkaffee erlebt in Deutschland in den letzten Jahren ein grandioses Comeback. Wie sieht bei Euch das Verhältnis von verkauften Filterkaffee im Vergleich zu Kaffeespezialitäten mit Milch wie Cappuccino und Latte Macchiato aus?

Andreas Berndt: In unserem Probierbereich schenken wir etwa 50% Milchmixgetränke aus. Bei den anderen 50% besteht der Wunsch, etwas Besonderes zu probieren (z.B. die Zubereitung über Syphon oder als Slayershot). Der Kaffeeverkauf von sortenreinen Kaffees lässt vermuten, dass man daraus eher einen Filterkaffee macht. Und der Anteil der sortenreinen Kaffee wächst. Die Leute suchen sich bewusst Kaffeespezialitäten rund um die Welt aus. Da würde ich immer unterstellen, dass man sich da eher keinen Espresso draus macht, sondern die Zubereitung als Filterkaffee bevorzugt.

barista-passione.de: Wie hat sich in den letzten Jahren das Bewusstsein der Konsumenten hinsichtlich deren Verhältnis zum Rohstoff Kaffee verändert (Nachhaltigkeit, Transparenz, Qualität)?

Andreas Berndt: Wir haben damit noch kein riesen Niveau erreicht, aber die Leute, die bei uns in den Laden kommen, tragen das zu einem guten Teil schon mit im Kopf. Unsere Kunden unterstellen, dass die Kaffees natürlich fair gehandelt sind und, dass sie biologisch einwandfrei sind. Die Tendenz dahin nimmt zu. Die Leute werden kritischer, sie fragen nach. Und das ist ja durchaus in unserem Sinne, weil wir genau diese Nachfrage auch bedienen. Nichtsdestotrotz: Der Anteil der Industriekaffees liegt noch immer bei 95%. Dieses Bewusste und das Ausgesuchte in Richtung Topqualität und Spezialität – das ist eher gering.

barista-passione.de: Wie entwickelt sich der Markt für Spezialitätenkaffee?

Andreas Berndt: Der Trend hin zu Spezialitätenkaffee ist eindeutig da. Und auch aus der Marktforschung wissen wir, dass der Markt für Spezialitätenkaffee wächst. Wir merken das selber, denn unser Geschäft wächst ja auch. Zudem sehen wir, dass immer mehr Menschen in der Lage sind zu beurteilen, ob ein als Spitzenkaffee offeriertes Produkt eben auch ein Spitzenprodukt ist. Wir haben auch Laufkundschaft, die reinkommen und sagen “ich kauf mal hier eben”. Aber der Großteil unserer Gäste sind treue Stammkunden und es werden immer mehr. Also der Trend Spezialitätenkaffee wächst!

barista-passione.de: Führt Ihr viele Gespräche mit Euren Kunden über Herkunft und Anbau des Rohkaffees?

Andreas Berndt: Wir kennen unsere Lieferanten zum absoluten Großteil. Wir arbeiten mit kleinen Importeuren in Deutschland zusammen und nicht mit den großen Konzernen. Unsere Bestrebungen sind, dass wir die Kaffees selber importieren. Schon bald werden wir Kaffee aus China direkt von den Farmen holen, denn wir sitzen mit unserer Rösterei in Changde mittendrin in einem hervorragendem Gebiet, wo die klimatischen Bedingungen optimal sind. Dort gibt es Hochländer, in denen man hervorragende Kaffees anbauen kann.

Wir sind dieses Jahr in Peru und werden dort wahrscheinlich Mitglied einer Kooperative. Wir werden also selber Farmer und holen dort unseren Kaffee her. Und auch in Nord-Thailand, beim Bergvolk der Akha, stehen wir im engen Kontakt mit der Familie Abuja, die nur für uns arbeitet. Wir sind also bestrebt, dass wir die Kaffees immer mehr aus eigenen Farmen oder von den mit uns verbundenen Farmen holen. Das ist die Zukunft! Zum einen ist das gut für’s Storytelling. Es macht sich gut, sowas zu erklären nach dem Motto “Hör mal! Was du jetzt gerade in der Tasse hast, wird da und da gerade angebaut”. Vielleicht stellen wir sogar eine Webcam in den Plantagen auf.

Zum anderen ist es aber auch die Sicherung von Ressourcen. Spitzenkaffee wird immer knapper, weil auch in den Anbauländern die Menschen immer mehr Kaffee trinken. Brasilien hat vor 20 Jahren so gut wie gar keinen eigenen Kaffee verbraucht. Mittlerweile ist Brasilien ein echtes Kaffeeland. Da wird Kaffee getrunken wie bei den Erdhörnchen! Und das ist ja Wettbewerb für die Gesamtmenge im Markt. Und auch China als Kaffeetrinker Markt wächst immer mehr mit 16% Wachstum pro Jahr.

barista-passione.de: Worin liegen deiner Meinung nach die Vorteile von direct trade?

Andreas Berndt: Wir garantieren den Farmern ein anderes Einkommen, als wenn sie den Kaffee an der Kaffeebörse über Großvermarkter verkaufen müssen. Der Farmer verdient einfach mehr Geld mit uns. Für uns ist es aber gar nicht so viel teurer. Und der direkte Einfluss sichert zum einen die Qualität und was dazukommt: Es macht ein heiden Spaß! Man sieht Dinge, die man als Tourist niemals sehen und erleben würde. Und das ist einfach großartig!

barista-passione.de: Ihr bietet jeden letzten Samstag im Monat ein Barista Seminar in der Wunstorfer Straße an. In 2018 sind bereits alle Termine ausgebucht. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe für den Erfolg?

Andreas Berndt: Der Hauptgrund ist, dass wir unglaublich gut im Internet sind. Wir sind Choryphäen im Google Ranking, denn wir sind auf dem vierten Platz, wenn man “Barista Schulung” bei Google eingibt (schmunzelt). Spaß bei Seite – Frag’ mich nicht wieso – es gibt dafür kein Erklärung. Das, was wir in dem Barista Seminar derzeit anbieten, ist wirklich OK und kommt bei unseren Gästen hervorragend an. Zu den Schulungen kommen dann sechs bis maximal acht Leute zusammen und wir schulen an unseren Slayers. Das Ganze lebt neben den fachlichen Inhalten auch über die Persönlichkeit, denn in den Schulungen entsteht eine unglaublich Bindung zwischen Aaron, oder Karim – unseren Baristas – und den Teilnehmern. Da kommt es nicht auf die Zeiten an. So eine Schulung geht dann auch mal fünf oder sechs Stunden und nicht die vier geplanten Stunden. Also das, was die Teilnehmer bekommen, ist schon sehr umfassend und auch individuell. Am Anfang jeder Schulung fragen wir die Teilnehmer, wo die Hauptinteressen uns Wünsche liegen und stellen die Schulung dann darauf ein. Das kommt im Ergebnis gut an.

Hier findest Du eine Übersicht mit den aktuellen Barista-Seminaren der Hannoverschen Kaffeemanufaktur.

Insgesamt haben wir festgestellt, dass das Interesse an Kaffee zunimmt und die Leute immer mehr wissen wollen. Es gibt den interessierten Privatmann, der sich eine kleine Siebträgermaschine für zu Hause kauft und dann auch wissen will, wie er die Mühlen richtig einstellt und was die Grundparameter bei der Zubereitung sind. Dann gibt es die Leute, die in der Gastronomie arbeiten und die Chance sehen, mit einer guten Ausbildung vielleicht mehr Geld zu bekommen und sich zu qualifizieren. Und es gibt sicherlich auch die Möglichkeit, mit Gastronomieketten zu reden und dort Schulungen anzubieten. Also kurzum: Das Feld ist riesig. Und daher ist das Thema Schulungen eins, dem ich mich in Zukunft massiv widmen werde.

barista-passione.de: Herzlichen Dank für das Interview und den ausgezeichneten Kaffee, den wir bei Dir trinken durften.

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    Erstellt am: 27. Juli 2018

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