“Das Thema Nachhaltigkeit liegt mir persönlich sehr am Herzen.” – Interview mit Kathrin Tewes von Coffee Fellows


Über 200 Cafés, über 1200 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von 70 Millionen Euro – innerhalb von 20 Jahren hat sich Coffee Fellows zur größten Café-Kette in Deutschland etabliert. Während der schier übermächtige Konkurrent Starbucks in Deutschland die ersten Cafés schließen musste, wächst das Münchener Familienunternehmen weiter.

1999 hatte Kathrin Tewes gemeinsam mit ihrem Mann Stefan während eines beruflichen Aufenthalts in London die Idee, ein eigenes Coffee Shop Konzept in München zu etablieren. Kathrin und Stefan haben es geschafft, dieses Konzept erfolgreich in die Realität umzusetzen und bundesweit auszurollen. Wir haben der Kaffee-Unternehmerin Katrin Tewes ein paar interessante Fragen gestellt.

Interview mit Kathrin Tewes

barista-passione.de: Mit aktuell über 200 Cafés und einem Jahresumsatz von 70 Millionen Euro im Jahre 2017 ist Coffee Fellows mittlerweile die größte Café-Kette in Deutschland. Bist Du selber ein wenig überrascht über diesen Erfolg?

Kathrin Tewes: Ja, wir waren natürlich ein wenig überrascht, dass Starbucks aufgehört hat zu wachsen und wir an ihnen vorbeiziehen konnten. Allerdings versuchen wir unseren Gästen in unseren Shops ein spezielles Gefühl zu übermitteln, was scheinbar gut ankommt.

barista-passione.de: Lange Zeit konntet Ihr keinen Stich gegen den schier übermächtigen Konkurrenten Starbucks machen. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden: Während Ihr weiter wachst, musste Starbucks im letzten Jahr drei Cafés in Deutschland schließen. Was sind Deiner Meinung nach die Gründe für den Wandel?

Kathrin Tewes: Ich denke es sind drei Punkte, die uns sehr geholfen haben, weiter zu wachsen. Wir arbeiten nur mit Partnern, mit denen wir uns zu 100% identifizieren können und wählen diese auf dieser Basis aus. Unsere Partner sind zudem alle selbstständige Unternehmer, die ein Gespür dafür entwickeln, wie Service, Freundlichkeit und Qualität zu Kundenzufriedenheit und damit zum Erfolg führen.

Zudem bieten wir nicht nur Kaffeekreationen an, sondern haben mit unseren Bagels und sonstigen Snacks auch was für den hungrigen Gast im Angebot. Und als dritten Punkt können wir als Münchner Familienunternehmen Entscheidungen selbstständig treffen und uns daher schneller an sich ständig verändernde Trends anpassen.

barista-passione.de: US-Getränkeriese Coca-Cola greift mit der Übernahme der britischen Café-Kette Costa im Markt für Heißgetränke an und wird versuchen, weltweit zu expandieren. Bereitet Dir das Sorgen im Hinblick auf Euren eigenen Wachstumskurs? Oder siehst Du Euer Wachstum eher durch das Aufkommen vieler Third-Wave-Speciality-Cafés bedroht?    

Kathrin Tewes: Coffee Fellows nimmt beide dieser Unternehmen sehr ernst, da von beiden Unternehmensarten eine andere Art von Bedrohung ausgeht. Coca-Cola, ein Riesenkonzern, der mit viel Geld versuchen wird sich auch in unserer Branche einen Namen zu machen. Auf der anderen Seite die Third-Wave-Speciality-Cafés, die durch ein hohes Maß an Qualität und Klarheit in den Produktionsstufen immer beliebter werden. 

barista-passione.de: Filterkaffee, liebevoll mit einem Handfilter aufgebrüht, erfährt in den letzten Jahren eine Renaissance. Wie stellt Ihr Euch auf das veränderte Konsumentenverhalten ein? Wird es bald erste Coffee Fellow Brew Bars geben, in denen Hipster ihren heiß geliebten Nordic-Roast-Single-Origin-Pour-Over-Coffee genießen? 

Kathrin Tewes: Unsere Kunden sind sehr Espresso und Café Créme lastig. Die absoluten Spezialitäten kommen eher aus Third Wave Coffee Shops. Wir beobachten die neue Bewegung genau und werden das Thema nicht aus den Augen verlieren. Allerdings sehen wir uns eher in der Beobachterrolle und warten ab, wo der Trend noch hinführt.

barista-passione.de: Nachhaltigkeit und Transparenz im Produktionsprozess und Umweltschutz sind heutzutage wichtige Themen, die die Menschen interessieren. Wie steht Ihr zu diesen Themen? Was unternehmt Ihr, um einen Beitrag zu diesen Themen zu leisten?

Kathrin Tewes: Das Thema Nachhaltigkeit liegt mir persönlich sehr am Herzen. Momentan stellen wir unsere beiden Coffee Blends um. Wir haben unseren Kaffeebezug reorganisiert und kaufen seit diesem Frühjahr unsere Bohnen direkt beim Kaffeebauern. Die Idee dahinter ist zum einen eine dauerhafte, nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Kaffeebauern einzugehen, zum anderen eine nachvollziehbare Qualitätskette für unser Kernprodukt Kaffee aufzubauen.

Zusätzlich möchten wir z.B. in Tanzania auf der Farm die lokale Bevölkerung unterstützen und Projekte wie Schul- oder Brunnenbau vorantreiben. Um konkrete Projekte umzusetzen werden mein Mann und ich im Juli auf die Plantage am Kilimanjaro reisen.

Aktuell haben wir eine Projektgruppe „Nachhaltigkeit“ gegründet. Kurzfristiges Ziel ist, alle Verpackungen und Verkaufsmaterialien genau zu analysieren und plastikfreie, umweltverträgliche Alternativen zu finden. Die Vision ist bis Jahresende 100% homecompostable To Go Becher zu führen, keine Plastikstrohhalme, Deckel oder sonstigen Verpackungen mit Plastikanteilen mehr anzubieten.

Langfristig werden wir alle Prozesse im Unternehmen gründlich auf den Prüfstand stellen und mit Hinblick auf nachhaltige Alternativen vorantreiben.

barista-passione.de: Ihr schreibt auf Eurer Website, dass du nur “ausgewählte Spezialitäten von Hochlandplantagen” für den Coffee Fellows Blend verwendet werden. Hand auf’s Herz: Zählt der Blend von Coffee Fellows wirklich zu einem echten Spezialitätenkaffee, der es nach dem internationalen Scoringmodell nach SCAA und dem daraus errechneten Cupping-Score auf eine Mindestpunktzahl von 80 Punkten schafft? Erzähl’ uns doch etwas über die genaue Herkunft und das Röstverfahren der verwendeten Kaffeebohnen.

Kathrin Tewes: Es handelt sich hierbei um eine vertrauliche Frage, die wir in diesem Rahmen leider nicht beantworten können.

barista-passione.de: Knöpfchendrücker oder Kaffeesommelier? Was muss ein Coffee Fellow Barista bei Euch wirklich drauf haben? Wie sieht die Ausbildung eines Baristas konkret aus?

Kathrin Tewes: Die Handarbeit bei der Zubereitung des Kaffees war von Anfang an ein großes Unterscheidungsmerkmal für Coffee Fellows. Den Knopfdruck gibt es bei Coffee Fellows nicht. Unser Kaffee wird von Hand im Siebträger zubereitet. Für jeden Blend gibt es Mühlen, die pro Portion frisch mahlen. Selbst der Milchschaum wird von Hand zubereitet, um das Getränk dann zu verfeinern. Damit das Ergebnis in allen Coffee Fellows gleich gut ist, muss ein Barista bei uns eine zweiwöchige Ausbildung durchlaufen und seine erlernten Kenntnisse nachweisen. Dafür haben wir ein speziell konzeptioniertes E-Learning Tool.

barista-passione.de: Was sind Eure Pläne für die Zukunft? Haben anspruchsvolle Cafébar-Ketten wie Coffee Fellows bereits ihren Zenit überschritten? Wie soll man die Eröffnung des ersten Coffee Fellows Hotel deuten? Wird das ein Pilot-Projekt bleiben oder wollt Ihr in dem für Euch neuen Hotelmarkt wirklich Fuß fassen?

Kathrin Tewes: Die Diskussion über den Zenit des Coffee Shops gibt es seit wir unseren ersten Laden in der Leopoldstraße in München eröffnet haben. Wir hoffen natürlich, dass der Markt weiterhin attraktiv bleibt und ein Wachstum beibehält. Die anhaltenden Trends müssen beobachtet werden und gegebenenfalls so eingesetzt werden, dass man seine Philosophie nicht verliert.

Mit Blick auf das Hotel waren wir von Anfang an überzeugt, dass der Schulterschluss zwischen unseren Coffee Shops, die nach dem Motto FEEL AT HOME geführt werden, und einem „zweiten zu Hause“, also dem Hotel, gut funktionieren wird. Der Erfolg des Pilotprojekts gibt uns hier Recht. Dementsprechend möchten wir gerne weitere Hotels eröffnen. Aufgrund hoher Investitionskosten ist hier jedoch ein sehr vorsichtiges Wachstum geplant.

barista-passione.de: Vielen Dank für das Interview, Kathrin.

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    Erstellt am: 25. Januar 2019

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