Einkreiser oder Zweikreiser Espressomaschine? Das sind die Unterschiede, Vorteile & Nachteile.

Du stehst vor dem Kauf einer neuen Espressomaschine und fragst dich, worin eigentlich die Unterschiede zwischen einer Einkreiser Espressomaschine und einer Zweikreiser Espressomaschine bestehen? Dann bist du hier goldrichtig. Wir klären dich in diesem Artikel auf und geben dir ein paar Tipps für den Kauf deiner neuen Einkreiser oder Zweikreiser Siebträgermaschine.

Wie du sicher weißt, ist die Zubereitung eines Espressos ein hochsensibler Prozess. Neben vielen weiteren Faktoren ist auch die richtige Brühtemperatur dafür verantwortlich, ob ein Espresso schmeckt oder nicht. Sämtliche Hersteller versuchen daher, ihre Maschinen so zu entwickeln, dass sie die richtige Brühtemperatur bei der Espresso-Extraktion liefern.

Je teurer die Maschine, desto höher ist der technische Aufwand gewesen, um die Brühtemperatur möglichst konstant zu halten – vor allem, wenn mehrere Espressi hintereinander extrahiert werden. Je günstiger die Maschine, desto größer können die Temperaturschwankungen der Brühtemperatur ausfallen.

Im Heimsegment haben sich neben Espressomaschinen mit Thermoblock vor allem Einkreiser und Zweikreiser etabliert. Die beiden System stellen wir dir nachfolgend ausführlicher vor.

Einkreiser Espressomaschinen

Das einfachste und günstigste System ist der Einkreiser. Die Temperatur wird hier über einen Pressostat (Druckschalter) gesteuert. Das Heizelement wird in Abhängigkeit vom Druck innerhalb des Kessels an- oder abgeschaltet. Daraus resultieren beim Brühen von Espresso Temperaturschwankungen von bis zu acht Grad Celsius, was wirklich enorm ist.

In einem Einkreiser existiert ein Wasserkreislauf – daher stammt auch die Bezeichnung “Einkreiser”. In diesem einen Wasserkreislauf muss die Temperatur durch Aufheizen oder Abkühlen angepasst werden, um ein optimales Ergebnis für den Bezug von Espresso oder die Produktion von Dampf zu erzeugen. 

Aufbau einer Espressomaschinen mit Thermoblock (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Grafik aus dem Buch “Faszination Espressomaschine” von Dimitrios Tsantidis S. 121)

Die ideale Brühtemperatur für einen Espresso liegt zwischen 88 Grad Celsius und 96 Grad Celsius. Die Temperatur des Wassers für die Erzeugung von Wasserdampf muss hingegen deutlich höher sein (zwischen 110 Grad Celsius und 130 Grad Celsius). 

Die Temperaturen werden durch die Verwendung von unterschiedlichen Thermostaten geregelt, die je nach Bedarf als Steuerung in den Heizkreis geschaltet werden.

Bei Einkreiser Espressomaschinen wird das im Kessel erhitzte Wasser also sowohl für die Zubereitung des Espressos als auch für die Erzeugung des Dampfes zum Aufschäumen der Milch verwendet.

In der Praxis sieht das bei der Zubereitung von milchbasierten Getränken wie Cappuccino oder Flat White dann so aus: Direkt nach dem Espressobezug muss das Wasser im Kessel erhitzt werden. Das geschieht in der Regel durch das Umlegen eines Schalters oder durch Drücken einer Taste. Du musst leider eine kurze Wartezeit einplanen, bis das Wasser im Kessel die richtige Temperatur für die Produktion von Dampf erreicht hat. Das Aufschäumen von Milch mit einem Einkreiser bleibt daher eher eine Notlösung.

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Du willst noch mehr über Espressomaschinen erfahren? Dann empfehlen wir dir, unseren umfangreichen Espressomaschinen Test zu lesen.

Bauartbedingtes Problem bei Einkreisern

Wenn du direkt nach dem Aufschäumen der Milch einen weiteren Espresso extrahieren willst, muss die Temperatur im Kessel wieder gesenkt werden. Denn du willst ja nicht, dass 110 – 130 Grad Celsius heißes Wasser das Kaffeemehl in dem Siebträger verbrennen lässt, oder? Wird ein Espresso nämlich mit zu heißem Wasser gezogen, schmeckt der Espresso extrem bitter und ist zudem schlecht verträglich.

Das Abkühlen des Wasserkreises für den Bezug eines weiteren Espressos ist wieder mit Wartezeit verbunden. Die allermeisten Einkreiser haben keine Anzeige für die aktuelle Temperatur des Wassers im Kessel. Du weißt also nie genau, wann die Maschine die optimale Temperatur für die Espresso-Extraktion erreicht hat. 

Das Boilerwasser kann also locker eine Spanne von möglichen Temperaturen haben, die bis zu 10 Grad Celsius und mehr betragen können. Die Temperatur fällt bei jedem Espressobezug also unterschiedlich aus, womit eine gleichbleibend hohe Espressoqualität nur sehr schwer reproduzierbar ist. Ein Espresso, der gerade eben noch himmlisch geschmeckt hat, kann beim nächsten Bezug einfach grauenhaft sein.

Temperatursurfen bei Einkreiser

Eine Lösung des Problems kannst du durch das „Temperatursurfen“ herbeiführen. Mit Temperatursurfen wird eine Methode bezeichnet, um die Brühtemperatur bei Einkreiser Espressomaschinen zu beeinflussen.

In der Praxis sieht das so aus: Vor jedem Espressobezug machst du solange einen Leerbezug (Leerbezug = Wasser aus der Brühgruppe lassen), bis die Temperatur im Kessel soweit abfällt, bis die Heizung wieder anspringt – die Maschine gibt dann ein leises Klickgeräusch von sich und/oder signalisiert den Heizvorgang über ein Kontrolllämpchen.

Dann wartest du, bis sich die Heizung wieder ausschaltet (erneutes Klickgeräusch oder Kontrolllämpchen erlischt). Das ist genau der Zeitpunkt, in dem dein Einkreiser eine reproduzierbare Brühtemperatur erreicht hat.

Wenn die Temperatur für deine persönlichen Geschmack und deine verwendete Espressobohnen jetzt passt, kannst du also direkt den Bezug starten. Für den Fall, dass das Wasser noch zu heiß ist, musst du eine bestimmte Zeit warten, damit sich die Maschine weiter abkühlt. Wenn das Wasser zu kalt ist, musst du die Maschine über den Schalter für die Dampferzeugung weiter aufheizen.

Ohne Frage: Temperatursurfen ist wirklich etwas für experimentierfreudige Espressonisten. Aber es funktioniert und du kannst damit wirklich bei Einkreiser Espressomaschinen das Optimum aus den jeweiligen Espressobohnen herausholen.

Vorteile Einkreiser

Verhältnismäßig günstig in der Anschaffung
Kompakte Bauweise (platzsparend in der Küche)
Gute Espresso-Qualität, wenn die Temperatur optimal ist
Kurze Aufheizzeit

Nachteile Einkreiser

Kleiner Boiler
Hohe Temperaturschwankungen
Temperaturmanagement notwendig
Die Zubereitung von milchbasierte Getränken ist umständlich
Keine parallele Zubereitung von Espresso und Milchschaum möglich

Beispiele für Einkreis-Espressomaschinen

Lelit PL 42 EM Espressomaschine 


Bezzera Unica PID MN



Fazit zu Einkreiser Espressomaschinen

Für alle, die mit einer Siebträgermaschine ausschließlich Espresso beziehen wollen, sind Einkreiser generell eine gute Wahl. Einkreiser sind im Vergleich zu Zweikreiser Espressomaschinen preiswerter und liefern eine sehr ordentliche Espresso-Qualität.

Wenn du hingegen mit einem Einkreiser regelmäßig für mehr als zwei Personen Milchgetränke zubereiten willst, wirst du mit einem Einkreiser höchstwahrscheinlich nicht glücklich werden. Die Wartezeit für das Aufheizen bzw. Abkühlen des Wassers im Boiler kann schon etwas nervig sein. Einkreiser sind daher unserer Meinung für reine Espressotrinker geeignet, die nur gelegentlich Wasserdampf zum Aufschäumen von Milch benötigen.


Zweikreiser Espressomaschinen

Zweikreiser sind Espressomaschinen, die zwei unterschiedlich temperierte Wasserkreisläufe haben: Einen Wasserkreislauf zur Produktion von Dampf für das Aufschäumen von Milch. Und einen zweiten Wasserkreislauf für das Brühwasser, das für den Bezug des Espressos benötigt wird.

Mit Hilfe dieser beiden Wasserkreisläufe kannst du zeitgleich Espresso zubereiten und Milch aufschäumen. Im Vergleich zu Einkreiser Espressomaschinen ist das wohl der entscheidende Unterschied und ein großer Vorteil. 

Das System ist wie folgt konzipiert: In Zweikreisern ist ein großer Kessel verbaut, in dem Wasser auf 110 Grad Celsius bis 130 Grad Celsius erhitzt wird. Dieses Wasser wird für den Heißwasserbezug und für die Produktion von Dampf zum Aufschäumen der Milch verwendet. In diesem Kessel ist eine kleine Wasserkammer, eine Art Rohr, eingelassen. Das ist der so genannte Wärmetauscher (englisch = heat exchanger). Im anglo-amerikanischen Sprachraum werden Zweikreiser daher auch als “heat exchanger” (HX) bezeichnet.

Aufbau einer Zweikreiser-Espressomaschinen (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Grafik aus dem Buch “Faszination Espressomaschine” von Dimitrios Tsantidis S. 129)

Der Wärmetauscher nimmt bei Zweikreisern eine zentrale Funktion ein: Bei einem Espressobezug wird kaltes Wasser aus dem Wassertank oder vom Festwasseranschluss durch den sich im wesentlich heißeren Dampfkessel befindenden Wärmetauscher gepumpt. Dabei wird das Wasser auf die gewünschte Brühtemperatur erhitzt. Der Wärmetauscher ist so konstruiert, dass das Wasser bei der bestmöglichen Durchflussrate genau solange im Wärmetauscher bleibt, bis es die passende Brühtemperatur (88°- 96°C) erreicht hat.

Eine kleine Schwachstelle weisen Zweikreiser Espressomaschinen allerdings auf: Wenn die Maschine nach einem Espressobezug zu lange eingeschaltet im Stillstand ist, nimmt das Wasser in der Wasserkammer des Wärmetauschers nach und nach die Kesseltemperatur an. Und das ist deutlich zu heiß für den Bezug eines Espressos. 

Daher solltest du bei längerem Stillstand der eingeschalteten Maschine vor dem nächsten Bezug unbedingt solange Wasser ablassen, bis dieses nicht mehr dampfend aus der Brühgruppe austritt (“Cooling-Flush”). Damit kannst du sicher sein, dass das Wasser vollständig aus dem Wärmetauscher abgelassen wurde. In Fachkreisen nennt man diesen Vorgang auch Leerbezug.

Vorteile Zweikreiser

Espresso und Milchschaum kann zeitgleich zubereitet werden (keine Wartezeit erforderlich)
Relativ hohe Temperaturkonstanz
Viel Dampf-Power
Sehr gute Espresso- und Milchschaum-Qualität

Nachteile Zweikreiser

Teuer in der Anschaffung
Weniger kompakt in der Bauweise
“Cooling-Flush” erforderlich
Ungeeignet für große Feste oder in der Gastronomie (Dampfdruck und Brühwassertemperatur hält dem nicht stand)
Längere Aufheizzeit

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Bezzera Magica Espressomaschine
5 Bewertungen
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Fazit zu Zweikreiser Espressomaschinen

Wenn du ganz viele Kaffee-Milchgetränke mit deiner neuen Siebträgermaschine zubereiten willst, dann empfehlen wir dir auf jeden Fall, einen Zweikreiser zu kaufen. Das Aufschäumen von Milch kannst du parallel zur Zubereitung des Espressos machen. Der große Boiler eines Zweikreisers liefert viel Dampf-Power für das Milch aufschäumen. Die Zubereitung von Cappuccino & Co. wird damit zur reinsten Freude. Und das macht einen Zweikreiser unserer Meinung nach auch besser als einen Einkreiser.

Der Kauf eines Zweikreisers ist eine kostspielige Angelegenheit: Die Preise gehen hier ab ca. 1.000 € los. Mit etwas Glück kannst du gebrauchte Zweikreiser aber auch für unter 1.000 € kaufen.


Beispiele für Zweikreiser Espressomaschinen

Bezzera BZ10 PM Espressomaschine


Quickmill Rubino Nero 0981


Rocket Appartamento


Unterschiede Einkreiser Zweikreiser

Zur besseren Übersicht haben wir dir eine Tabelle erstellt, mit der du auf einen Blick die Unterschiede zwischen Einkreiser und Zweikreiser einsehen kannst.

EinkreiserZweikreiser
Anzahl Wasserkreisläufe12
Espresso & Milchschaum zeitgleich zubereitenneinja
Aufheizzeitkurzlänger
Boilergrößekleingroß
Espresso-Qualitätgutsehr gut
Milchschaum-Qualitätgut, aber anhängig vom Modellsehr gut
Temperaturstabilitätgeringhöher
Für Einsteiger geeignetja (mit ein paar Einschränkungen)ja
Preisgünstigerteurer
Für Gastronomie geeignetneinnur bedingt
Tabelle Unterschiede Einkreiser vs. Zweikreiser

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Über den Autor

Finn’s Website:
Erstellt am: 01. Mai 2020

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